Leben

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Alleine im Umfeld der Mülldeponie von Phnom Penh leben ca. 2000 Familien direkt oder indirekt von dem Suchen und Verkaufen von Abfällen. Jeder dritte Müllsammler ist ein Kind im Alter von 10 bis 14 Jahren. Die zweitstärkste Gruppe sind mit 18% Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren. Kinder und Jugendliche sind die am stärksten von Armut und sozialen Missständen betroffene Bevölkerungsgruppe in der städtischen Bevölkerung von Phnom Penh. (1)

Oft übernehmen die Kinder die alleinige Verantwortung für das Überleben der Familie und widmen den Großteil ihrer Zeit der Arbeit auf der Deponie. Das führt dazu, dass ihre schulische und berufliche Ausbildung zu kurz kommt und letztlich ganz auf der Strecke bleibt.
Im Gegensatz zu ihren sozial besser abgesicherten Altersgenossen sind die Wastepicker-Kinder somit in ihrer persönlichen Weiterentwicklung von Natur aus sehr stark eingeschränkt.

Von den Kindern unter 15 Jahren gab die Mehrheit (annähernd 70%) an, dass sie gerade die Grundschule besuchen oder früher besucht haben. Nur 1% von diesen Kindern hatte die Möglichkeit eine weiterführende Hauptschule zu besuchen. Mehr als 30% der Kinder hatten jedoch noch überhaupt keine schulische Bildung erhalten und sind Analphabeten.

Die meisten der Kinder unter 18 Jahren gehen nicht in die Schule und erhalten keine formale Erziehung, solange sie ihr Überleben mit dem Sammeln von Abfällen bestreiten müssen. Über 70% von ihnen arbeiten 8 Stunden am Tag oder mehr. Diese Kinder opfern unfreiwillig ihre Ausbildungsmöglichkeiten und Chancen einer künftigen beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung, um das Einkommen der Familie aufzubessern. Durch diese Situation kann es ihnen nicht gelingen, die nötigen Kenntnisse und Qualifikationen zu entwickeln, die sie brauchen, um sich selbst und ihre Familien aus diesem Teufels-Kreis der Armut zu befreien.

Viele sind gefangen in einer "Hand-zu-Mund-Existenz", was heißt, dass der Ausfall des täglichen Verdienstes bereits bedeuten kann, dass die Familie an diesem Tag nicht genügend Geld hat, sich ausreichend (oder überhaupt) mit Lebensmitteln zu versorgen.

Gleichzeitig führen die dauerhafte Armut und der tägliche Kampf ums Überleben zu permanentem Stress und sozialen Spannungen in den Familien und den Kommunen der Wastepicker. Oft entladen sich diese Spannungen in Form von häuslicher Gewalt, Drogen- und Alkoholkonsum und Glücksspiel. In Verbindung mit chronischen Krankheiten wie HIV/Aids erschwert dies zusätzlich die ohnehin sehr schwierigen Lebensverhältnisse aller Beteiligten. Tatsächlich vergeht kein Tag in Phnom Penh, an dem man nicht von brutalen Handlungen aller Art in den lokalen Zeitungen lesen kann. Extreme Armut auf breiter Basis und massen-traumatische Erlebnisse in der Pol-Pot-Zeit sind wohl die Hauptursachen für diese Gewaltexzesse.

(1) Die in diesem Zusammenhang genannten Zahlen beziehen sich auf verfügbare Daten aus dem Jahr 2001 und davor, wenn nicht anders angegeben (siehe auch das Literaturverzeichnis). Durch die intensive Tätigkeit einiger Hilfsorganisationen konnten einige Verhältnisse in den letzten Jahren verbessert werden. Aktuelle Zahlen sollten bei Interesse dort angefragt werden.